ἀρχαιολογία

April 13th, 2010

Ausgrabungen alter Wörter befördern Geschichtliches hervor, und dies auch abseits der Etymologie.

Plenum / Endfassungen 1 - ix / 2004
Plenum / Endfassungen 2 - ii / 2005

Περὶ τῶν γενῶν, ὦ Σώκρατες, τῶν τε ἡρώων καὶ τῶν ἀνθρώπων, καὶ τῶν κατοικίσεων, ὡς τὸ ἀρχαῖον ἐκτίσθησαν αἱ πόλεις, καὶ συλλήβδην πάσης τῆς ἀρχαιολογίας ἥδιστα ἀκροῶνται, ὥστ’ ἔγωγε δι’ αὐτοὺς ἠνάγκασμαι ἐκμεμαθηκέναι τε καὶ ἐκμεμελετηκέναι πάντα τὰ τοιαῦτα. (Ἱππίας μείζων 285 d)

Tüchtigkeit

March 30th, 2010

Er war stark von Gliedern, alle im äussersten Wohlverhältnisse. Sein Gang war fest, nicht schwankend, nicht stattlich, nie übereilt. In seinem Angesichte war eine Uebereinstimmung von Treuherzigkeit und Würde ohne Anmaßung, von Verstande, vereinigt mit Fülle und Feinheit der Empfindung, die sich nicht beschreiben läßt, aber Jedem Zutrauen zu diesem Gesichte einflößte. [...] In seinem ganzen Wesen war Ernst mit Freundlichkeit verbunden. Sein Mund lachte selten, aber fast beständig schwebte auf seiner heitern Stirn und auf seinem ganzen Antlitze das unauslöschliche Lachen, das Homer seinen Göttern zuschreibt. Er war gastfrey und hielt ein ansehnliches Haus; er selbst war mäßig.

(Friedrich Nicolai: Leben Justus Mösers, Berlin u. Stettin 1797, S. 102f.)

mmix.xxvi

January 6th, 2010

Paul Auster: Oracle Night
Faber and Faber, London 2004

beg, bee: 30.12.2009, 05.01.2010

243 Seiten, Festeinband
engl.-sprachig
Roman, Literatur, Postmoderne, Vereinigte Staaten

mmix.xxv

January 6th, 2010

Titus Arnu (Hrsg.): Übelsetzungen - Sprachpannen aus aller Welt
Langenscheidt, Berlin / München et al. 2007
3. Auflage 2008

beg, bee: 27.12.2009, 28.12.2009

Wohl kaum ein Buch zu nennen, ergeht sich dies unverkennbar deutsche Printprodukt, ohne jeglichen Hintersinn, in Schadenfreude und Häme und läßt so neben wohlfeilem Feixen für Sprachwitz oder humorvolle Sprachkritik keinen Raum. Montiert und redigiert qua wahllosem Cut & Paste und beliebiger Bebilderung, entpuppt es sich so in für einen Verlag wie Langenscheidt beschämender Weise als billige Fließbandware, welche die Leser mit eigenen Schnappschüssen und Fundstücken zu ergänzen aufgefordert sind im als Anschreiben verfaßten Kolophon. דרעק: Drek auf dem teller.

128 Seiten, Broschur
dt.-sprachig
Bildband, Sprachkritik, Deutschland

mmix.xxiv

January 6th, 2010

Paul Auster: Man in the Dark
Faber and Faber, London 2008
3. Auflage 2009

beg, bee: 18.12.2009, 26.12.2009

180 Seiten, Taschenbuch
engl.-sprachig
Roman, Literatur, Postmoderne, Vereinigte Staaten

mmix.xxiii

January 6th, 2010

James Baldwin: The Fire Next Time
Penguin Books in association with Michael Joseph, Harmondsworth / Ringwood 1963, 1964
7. Auflage 1971

beg, bee: 08/2009, 11/2009

96 Seiten, Taschenbuch
engl.-sprachig
Essays, Literatur, Rassenpolitik, Vereinigte Staaten

3000 Tage

November 27th, 2009

Die Verzweiflung hält an…

Eschuk 87 Punkte 1 Tag ago* [-]
> 08:46:46 Arch [1612975] D ALPHA PAGE FROM lifeline: alert 8933585 ETS appl nbetpsd27.fi.gs.com
> ETS RTCE: - Market data inconsistent…Cantor API problem Trading system offline on
> nbetpsd27.fi.gs.com, run by etsuser on nbetpsd27, pid = 24277
> Repeats again seconds later at 08:46:48… then:
> 08:47:48 Arch [0902592] A ALPHA regularlist 09/11/01 08:47 BFH-2-FHS :> 4002 LINE DOWN
> (’CANTORSPEED: 09/11/01 08:47:09: LINEDOWN: stop the DQA heartbeat now’ in
> cantorspeed_page.log) #1
> 08:47:50 Arch [0902592] A ALPHA regularlist 09/11/01 08:47 BFH-2-FHS :> 4003 Fault Tollerent
> Switch (’feed handler transitioning from secondary to primary’ in cantorspeedpage.log) #2
> 08:48:50 Arch [0162912] A ALPHA PAGE FROM lifeline: alert 8933584 ETS appl nbetpsd27.fi.gs.com
> ETS RTCE: - Market data inconsistent…Cantor API problem Gateway Down on nbetpsd27.fi.gs.com,
> run by etsuser on nbetpsd27, pid = 24277
> Cantor Fitzgerald was on the floors that were hit.
> Permalink
Corgana 76 Punkte 1 Tag ago[-]
>> Man, the only one in this thread to give me goosebumps so far was the automated message
>> about the line being down. There’s something about the computers obliviously doing their job
>> while you know what’s really happening that just makes me shiver.
>> Permalink
eoin2000 22 Punkte 1 Tag ago[-]
>>> Agreed. The cold detachment gets me.
>>> Permalink

… und gebricht sich in schwärzestem Humor:

xxsirexx 66 Punkte 1 Tag ago[-]
> 2001-09-11 09:52:02 Metrocall {1175659} 1 2400 Frm: MSN Txt: Kavitha Sunand Nair: bomb was
> diffused at the heliport at pentagon. white house and pentagon being emptied…..
> Bomb diffused??? what?
> Permalink
Travis-Touchdown 120 Punkte 1 Tag ago[-]
>> Counterterrorists win.
>> Permalink

Ich kann nicht aufhören zu lachen.

(Quelle: reddit.com)

Cul-de-sac

September 22nd, 2009

Dark moods swinging, breeding.
It’s hysteria, I reckon. Yet
nonetheless I rarely felt
the vaults beneath with such terror.

Race and all that jazz

September 2nd, 2009

In all jazz, and especially in the blues, there is something tart and ironic, authoritative and double-edged. White Americans seem to feel that happy songs are happy and sad songs are sad, and that, God help us, is exactly the way most white Americans sing them.

(James Baldwin: Down at the Cross, in: The Fire Next Time, p. 42)

Auch wenn er an dieser Stelle ein wenig vorschnell urteilt - man denke nur an die temperamentvolle, extravagante Anita O’Day und ihre lebhaften Nummern zwischen Hard Swing, Bebop und Improvisation: “the only white woman that belongs in the same breath as Ella Fitzgerald, Billie Holiday and Sarah Vaughan” (Will Friedwald) -, so kann dem US-Amerikaner James Baldwin ein herausragendes Gespür für literarischen Witz und schwungvolles Schreiben nicht abgesprochen werden. Mit diesen Talenten griff der 1987 in Südfrankreich verstorbenen Schriftsteller schon in jungen Jahren gesellschaftliche Problematiken auf wie die Diskriminierung und Marginalisierung schwarzer US-Bürger (Ghettoisierung als Schickung in Unfreiheit), kritisierte die Verquickung von Religion und Rasse, Kirche und Kommerz, und thematisierte auch seine homosexuelle Orientierung, lange bevor die Bürgerrechtsbewegung und Freiheitsstürmer der Sechziger sich diesen und ähnlichen Fragen zuwandten. Nicht überall wird man zustimmen wollen, aber in den unterhaltsamen, leichten Ton des Erzählers kleidet sich ein gewichtiger, anregender Essayist.

Text: James Baldwins Essay My Dungeon Shook in dt. Übersetzung:
Mein Verlies ward aufgestoßen (92 kB) (PDF-Dokument)

mmix.xxii

August 22nd, 2009

Oscar Ogg: The 26 Letters
Thomas Y. Crowell Company, New York 1961, 1948
8. Auflage 1962

beg, bee: 31.07.2009-02.08.2009 u. 18.-19.08.2009

“The reason that the letter forms of many early designers are superior to their modern counterparts is that the modern letterers have attempted to arrive at the conclusions of the early designers without first having become acquainted with the sources of their results.” (Oscar Ogg, zitiert in: Leslie Cabarga: Logo, Font & Lettering Bible, S. 78)

Der Liebe zum Schreiben entspringt dieses Buch, nicht im Sinne des literarischen Vollzugs, sondern als Ausführung und Gestaltung der Schrift zum eigenständigen Objekt von Kunstfertigkeit und Zeugnis des Schönen; und sein Autor, Oscar Ogg (1908-1971), gilt neben Paul A. Bennett und Warren Chappell als einer der herausragenden US-amerikanischen Schriftentwerfer, Graphiker und Illustratoren Mitte des 20. Jahrhunderts. The 26 Letters erschien erstmalig 1946 in kleiner, bibliophiler Auflage in New York, im gleichen Jahr, als Ogg dort die kalligraphische Abteilung an der Columbia-Universität begründete, und nimmt den Leser mit auf eine Reise von den vorgeschichtlichen Ursprüngen der Schrift in Skulptur und Höhlenmalerei bis zu dem uns vertrauten, in einer langen Entwicklungskette ausgeformten lateinischen Alphabet mit seinen 26 Buchstaben. Kursorisch folgt Ogg in sieben von neun Kapiteln der Geschichte des Abc mit einer Übersicht der konkurrierenden Schriftsysteme der alten Ägypter (hieroglyphisch, hieratisch, demotisch) und einem faszinierenden Exkurs über die (kolonial verwickelte, kollateral durch Napoleons Feldzug bedingte) Entdeckung und Entzifferung des Steins von Rosetta, beschreibt die Herausbildung des ersten wahren, des phönizischen Alphabets mit seiner Vermengung kretisch-minoischer und ägyptischer Einflüsse mit den Cuneiform der Völker Mesopotamiens (Assyrer, Babylonier, Hethiter) und zeichnet die Überführung der Schrift vom griechisch-römischen Zeitalter bis hin zur Moderne nach. Der karolingische Beitrag um die Minuskeln, die Sonderformen der Halbunziale auf den britischen Inseln und in der frühchristlichen Literatur Irlands, die stilistische Virtuosität der Manuskripte mönchischer Skribenten des Hochmittelalters finden ebenso Erwähnung wie, eingehend und archetypisch, die formvollendete Inschrift der im Jahr 113 in Rom errichteten Trajanssäule als erstem Höhepunkt europäischer Hochschriftkultur.

Ogg illustriert sein zentrales Argument, die Gestaltung der Buchstaben des Alphabets folge aus dem Werkzeug, das der jeweiligen Kultur zum Schreiben zur Verfügung stehe, ein ums andere Mal, wenn er die Keilschrift wortwörtlich nimmt, in deren Bezeichnung selbiger Zusammenhang genuin eingefaßt ist, wenn er die gerade Strichführung (früher) altgriechischer Buchstaben ableitet aus der Verwendung von Wachstafeln, in welche Notizen mit einem Griffel eingekratzt wurden, während die Nutzung von Papyrus und (später) auch Papier und Pergament schon der klassischen Antike weichere, geschwungenere Formen erlaubte, und wenn er die Beschriftungen griechischer Reliefs und Plastiken vergleicht mit der Blüte trajanscher Kapitalien, derer erstere noch mit geradem Schlag mit dem Meißel dem Stein abgerungen sind, während letztere zunächst aufgemalt und hernach in ihren Rundungen und Wölbungen vom Steinmetz raffiniert herausgearbeitet wurden, wobei die Römer, durch ihre Meißeltechnik genötigt, die Serifen herausbildeten. “The tool governs the form again [and again]“ (S. 213), konstatiert Ogg, und so bleibt die Bedeutung von Material und Instrumentarium für die Kulturtechnik des Schreibens auch Leitmotiv der zwei abschließenden Kapitel zur Geschichte des frühen Buchdrucks, welcher rasch die Entwicklung standardisierter Schrift-Lettern bedingte. Waren die ersten Vertreter des Druckhandwerks noch orientiert an mittelalterlichen Handschriften und regionalen Varianten des lateinischen Alphabets, gewannen binnen eines Jahrhunderts die zwei Formen Vorrang, die bis heute idealtypisch unseren Schriftzeichen unterliegen: Die gebrochenen Schriften, auch Gotische genannt (Fraktur, Schwabacher, Rotunda), die, da sie aufgrund ihres starken Strichs und ihrer gedrängten Gestalt die Buchseiten eng und dicht bedruckt erscheinen ließen: in Schwarz getaucht, im Englischen als Black-Letters bezeichnet werden, und die aus der Kombination humanistischer Minuskeln mit altrömischen Versalien entwickelten Antiquaschriften, letztere bereichert und erweitert durch die Italienische (Italic, echte Kursivschrift) des Aldus Manutius, des Meisters des venezianischen Renaissancebuchdrucks. (Einzig im deutschsprachigen Raum behauptete sich die Gotische bis ins 20. Jh. und fand, als Schreibschrift, in den deutschen Kurrentschriften (z.B. Sütterlin) ihre idiosynkratische Entsprechung.)

Ogg, ein meisterlich geschulter Kalligraph, hat sein Buch mit einer Vielzahl teils kolorierter Schriftbeispiele und Abbildungen versehen, die die mühevolle Geschichte von Schriftwerdung und -erzeugung anschaulich illustrieren; und auch jüngere Leser mögen dem Gedankengang Oggs in seiner einfachen, klar strukturierten Sprache trefflich folgen, nicht zuletzt weil im Erzählton sich die Begeisterung des Autors für das Phänomen des Schreibens vermittelt. Daß er, typographisch-typophil, den Schriftsatz Old Face William Caslons für den vorliegenden Text wählt: “No type of any time, however, has ever made a more attractive and readable page than the original type of Caslon [designed about 1724], [of which] you have an example of a modern redrawing of [...] his honest, handsome letters before you now as you read this book” (S. 239), belegt, wie sehr dem Verfasser die Schreibkunst eine ars amandi war. Was sagte wohl dieser bibliophile Traditionalist zu den heutigen Schriftarten, wie sie moderne Dokumente, ergonomisches Online-Publishing prägen? So bestätigt er sich angesichts PC-gestütztem Schriftdesigns fände in seiner These: Form qua Funktion und Werkmaterial, hieße er sie vielleicht serifen-, charakter- und seelenlos? Produkte tachogener Weltfremdheit? Im nahezu unerschöpflichen Variantenreichtum rechnerbasierter Alphabete finden sich nur wenige, die dadurch bestechen, wie ausgewogen, formschön und elegant sie gestaltet sind. Und so faßt das vorangestellte Zitat, kolportiert vom Fontdesigner Leslie Cabarga, die Arbeitsethik und -technik des Oscar Ogg vielleicht am treffendsten: Nur das Nachvollziehen der Geschichte des Schreibens lehrt das Schreiben selbst.

(7), 262 Seiten, Festeinband
engl.-sprachig
Buchdruck, Typographie, Europa