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Literarische Grillen: Die Grisetterien Otto Erich Hartlebens

August 21st, 2013 — 9:41am

Otto Erich Hartleben: Die Geschichte vom abgerissenen Knopfe
S. Fischer Verlag, Berlin 1901
9. und 10. Auflage (1. Auflage: 1893)

beg, bee: 12.-14.08.2013

Über Autoren und Werk geht die Zeit oft genug rasch und reuelos hinweg, und nur die wenigsten bleiben dem kulturellen Gedächtnis über den jeweiligen Gusto und Kanon hinaus bewahrt, als Fußnote, Ergänzung, Weiterung desselben. Otto Erich Hartleben, seinerzeit was man heute Bestseller nennt, vormals Publikumserfolg geheißen, galt zur Jahrhundertwende im deutschsprachigen Raum als einer der bekanntesten und populärsten Spötter und Dramatiker und errang unter Kollegen, Kritikern und Lesern gleichermaßen großen Zuspruch. Ins junge Verlagsprogramm des just begründeten Hauses Samuel Fischers aufgenommen, veröffentlichte Hartleben ein überschaubares, aber auflagenstarkes Œuvre an Bühnen- und lyrischer Dichtung sowie Kurzprosa, nicht selten charakterisiert durch dekadentistische und naturalistische Tendenzen in Verbindung mit humorvollen Spitzen; im eigentlichen Sinne Unterhaltungsliteratur, welche teils die moralische Ambivalenz modernen Großstadtlebens leichthin aufs Korn nahm, teils die gesellschaftlichen Umbrüche zum Fin de siècle treffsicher markierte.

Heutigentags ist Hartleben vergessen, ebenso wie Georg Engels, damals Theatermann ersten Ranges und internationalen Renommées, welchem der vorliegende Band, der in sich zwei Erzählungen vereint, dankbar zugedacht ist. Die Novelletten sind je für sich gelesen leichte Lektüre und flüchtige Skizze und wirken miteinander verknüpft wie zwei Kapitel eines Groschenromans, angesiedelt im berlinischen Studentenmilieu der Jahrhundertwende, deklariert als Rückbesinnung eines demselben entwachsenden Erzählers. Sowohl die titelgebende Geschichte vom abgerissenen Knopfe als auch das daran anknüpfende, halb so lange Stück Wie der Kleine zum Teufel wurde sind inszenatorisch schlicht gehaltene Schilderungen, wie der Erzähler im Abstand einiger Monate mit je einem Freunde zusammentraf und Zeuge wurde von deren jeweiliger amouröser Verwicklung mit “der Lore” – eine Berückung, die der Ich-Erzähler amüsiert und süffig-süffisant nachzeichnet, abhold aller tiefgründigen Erörterung.

Die Begebenheiten und Begegnungen mit Lore, deren eigentlicher Name Bertha auf eine Herkunft in der Arbeiterschaft Berlins verweist und welche abenteuerlich-verwegen um Namen und Biographien nicht verlegen ist, die feineren Herren auf Brautschau für sich zu gewinnen, sind in Ton und Materie banal und taugen weder zu Charakter- noch Milieustudien; positiv gewendet versteht sich Hartleben auf stilistische Aussparung und das augenzwinkernde Portrait einer je fruchtlosen Liebelei, wobei seine Grisetterien wenig mehr hergeben als literarische Bêtisen. Die moralische Gratwanderung wird kaum angedeutet, geschweige denn verhandelt, und dem heutigen Leser werden mehr die Manierismen1 in Hartlebens Sprache aufstoßen als die Dekonstruktion philiströser Engstirnigkeit, wie sie der Text anhand der Figuren, absent jeder Introspektion, konturiert. Im sanften Innuendo bleibt sie folgenlos, wie auch einige stilistisch unglückliche Einsprengsel bildungsbürgerlichen Lateins nur Firnis sind und dem Text über seine trivialliterarische Qualität nicht hinweghelfen.

Bemerkenswert, und verstörend, sind die antisemitischen Entgleisungen2, die beide Erzählungen eignen, nimmt man sie als Beleg für den judenfeindlichen Geist im wilhelminischen Deutschland, so beiläufig wie sie fallen; und chauvinistische wie klassistische Elemente durchziehen beide Kapitel, wenn auch die Zeichnung der Figur der Lore überraschend emanzipative Züge trägt und Hartleben explizit und positiv auf die frühe Frauenrechtlerin (und Friedensaktivistin) Bertha von Suttner und die Bewegung der Suffragetten im weiteren Sinne Bezug nimmt. Lore kann so gleichermaßen als Grisette gelesen werden wie als Backfisch, ihre Widerständigkeit läßt sich nicht zähmen und nicht beheben wie ein abgerissener Knopf: Sie behauptet sich als eigenständige und selbstbewußte Frau, die sich dem Schicksal von Haus, Küche und Kindern, wie es Dora, eine im zweiten Stück gestreifte Jugendliebe, die Pfarrersfrau wird, ereilt, verweigert. Und doch scheint die zweite Geschichte in ihrem Urteil und Schluß merklich verhaltener und suggeriert entgegen der vorigen Lesart der Lore, ebenso wie ihrer Tändelei, ein tragisches, uneigenes Schicksal.

Vorliegende Ausgabe zeichnet sich durch einen schön gestalteten Leineneinband mit zweifarbiger Jugendstilornamentik und Umschlagprägung aus, als Staubschutz weist sie einen goldenen Kopfschnitt auf; typographisch bestechen Titel und Widmung durch eine schwungvolle Art-Nouveau-Letter wie auch der Text durch einen harmonischen Satzspiegel mit lebenden, von Seite zu Seite changierenden Kolumnentiteln, gesetzt durch die 1883 begründete Berliner Druckerei A. Seydel & Cie. Dem Titel gegenüber ziert das Frontispiz eine Vignette mit dem Portrait einer jungen Frau, mutmaßlich der Lore in ihrer Matrosentaille, um welche in der ersten Erzählung soviel Aufhebens gemacht wird; ein seidenes Lesebändchen schließt die hervorragende Ausstattung ab.

1: Es finden sich aber auch eine Vielzahl heiterer, schrulliger, außergewöhnlicher und aus dem Gebrauch gefallener Begriffe wie z.B. Stearinlicht (vgl. norw. stearinlys, ndl. stearine kaars), Glacées, Meublement, Quartals-Bräutigam, Nilpferdvisage, Anulkung, Pertinenzen, Caffëinbacillen, Stiesel, bummlich. Auch Hartlebens juristischer Hintergrund schlägt sich nieder in Wendungen und stehenden Begriffen wie ne bis in idem, Pandecten, Emphyteusis und Superficies.
2: Auf S. 27 finden sich explizite und implizite Stereotypen: “Sie trug jetzt Stirnlocken, Ponnys. [...] Ach und dann hatte ihr da irgend so’n Pferdejude – als ‘Künstlerin’ verkehrte sie wahrscheinlich mit solchem Gesindel – der es sich nicht viel hatte kosten lassen wollen, ein Paar riesige silberne Steigbügel als Ohrringe verehrt. Pfui, wie gemein das aussah!”
S. 112 führt ‘Jude’ zumindest in einem pe­jo­ra­ti­ven Sinne auf: “Weisst Du – sagte er langsam – es [ist] doch richtig [...], nämlich – dass einen das Leben schlechter macht. Das Leben – und vor allem die Weiber. – Aber lieber Kleiner, das steht ja schon im alten Testament. Da wurde er patzig: – Das weiss ich nicht! Ich bin kein Jude! Darüber liess sich nicht streiten.”

Informationen zum Verfasser:
Armin Burkhardt: Otto Erich Hartleben, in: BraunsJbLG 77, 1996, S. 295-298: [1][2][3][4]
Literaturatlas Niedersachsen: Schulprojekt am Ernestinum Celle

126, (2) Seiten, Festeinband
dt.-sprachig
Erzählungen, Literatur, Berlin

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Liber de pilae et basium ludo

August 3rd, 2013 — 1:11am

Stephen King: Blockade Billy / Morality
Hodder & Stoughton, London 2010

beg, bee: 30.07.2013, 01.08.2013

Vorliegender Band versammelt zwei Kurzgeschichten Stephen Kings, in denen der Meister des übersinnlichen Grauens vor dem Hintergrund zweier Kriminalfälle besonderes Augenmerk legt auf die Konsequenzen, die den Protagonisten aus den Taten erwachsen. Blockade Billy will zunächst wie eine Sporterzählung anmuten, aus welcher Kings Liebe zum Baseballspiel detail- und facettenreich abzulesen ist und in welcher er historische Elemente der US-amerikanischen Major League, z.B. Spielerkarrieren von Luis Aparicio und Clete Boyer, mit dem erdichteten Team der New Jersey Titans verknüpft. Dieses verpflichtet 1957, im Jahr des Sputniks, mit Billy Blakely einen ungeheuer erfolgreichen jungen Catcher aus Iowa. Eine Saison lang fliegt das Glück im Spiel ihm förmlich zu, will dem Wunderknaben alles gelingen, – derweil Gegner wie Mannschaftskollegen ein Verhängnis nach dem anderen ereilt. Granny, der Erzähler, erinnert sich lebhaft des unguten Gefühls, das der merkwürdige Bursche in ihm und anderen damals wachrief, von Anfang an, und das er doch wie auch die Fans, Coaches und Mitspieler um des Erfolgs willen verdrängte.

Kings Federstriche einer heileren Welt, wie sie uns in Grannys Nostalgie begegnet, in welcher Fairness und Loyalität im Sport noch ebensoviel galten wie harte Arbeit, wenn auch deren Lohn im professionellen Wettkampf keineswegs gesichert war: Hoffnungen in Niederlagen sich wandelten, Karrieren abrupt endeten, die Großmannssucht des modernen Profisports sich schon abzeichnete, ebenso wie die mediale Ausbeutung desselben, treffen auf den Punkt und bezeugen Kings erzählerisches Gespür. Tonfall und Reminiszenz Grannys, worin die nicht immer jugendfreie Frotzelei und Rivalität im Mannschaftssport aufscheint, die Beiläufigkeit, mit der von Jackie Robinsons geschichtsträchtigem Auflaufen für die Brooklyn Dodgers gesprochen wird, die Verquickung sportlichen Enthusiasmus’ und der für den Baseball so charakteristischen statistischen Kennzahlen, all dies fügt sich zu einer auf 80 Seiten knapp skizzierten, charmant verfaßten, wenn auch flüchtigen Liebeserklärung an den amerikanischen Nationalsport, welche auch den mit Baseball wenig vertrauten (europäischen) Leser leichthin unterhält.

Im Vergleich zur ersten Erzählung fällt Morality, eine das Rezessionsmotiv der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten unter George W. Bush und Barack Obama aufgreifende, vorab im Esquire abgedruckte Kurzgeschichte, deutlich ab. King begnügt sich mit wenig mehr als einem rudimentären Abriß, welcher anhand eines jungen Paares, Chad: Aushilfslehrer und mehr ambitionierter, denn talentierter Schriftsteller, und Nora, die als Pflegekraft einen Seelsorger im Ruhestand umsorgt, Abstiegsängste der krisengeschüttelten US-amerikanischen Mittelschicht verhandelt. Von Geldnöten geplagt, werden die beiden mit einem Angebot durch den sein Leben lang moralisch integren – und ebenso abgründigen – Reverend Winston konfrontiert, eine Offerte, die sie nicht ablehnen können – oder wollen, stellt sie doch einen einzelnen Schritt dar hin zu finanzieller Sicherheit: dem erträumten Hauskauf und Umzug aufs Land, – und kommt zugleich dem moralischen Bankrott gleich. Die Tat, in sich genommen eine Unerheblichkeit ohne ernsthafte Auswirkung auf die Betroffenen: eine Mutter und ihr Kind, ruiniert sie allesamt.

Wie aus einer banalen Begebenheit Literatur wird, hat der französische Novellist Raymond Queneau 1947 in seinen Stilübungen (Exercices de style) aufgezeigt; King hingegen motiviert an keiner Stelle die drastischen Folgen und Umschwünge für das Trio amorale: Selbstmord, Ehebruch, häusliche Gewalt treten wie aus dem Nichts an die Oberfläche einer seichten, und sprachlich wie erzählerisch enttäuschenden, Betrachtung über (die Bedeutung der) Moral. Kings dem Gegenstand ungenügende Nonchalance ist dabei das geringere Ärgernis, darin findet er sich in guter Gesellschaft, besieht man sich die Geringschätzung sittlichen Handelns in der Gegenwart, vielmehr stößt seine achtlose Charakterisierung der Figuren dieses moralischen Kammerspiels auf, deren Abwägung zwischen Geld und Gewissen in den Zeitraum paßt, den Chad braucht, sich im Bett von einer Seite auf die nächste zu wälzen. Der Leser kann diesem Stück nichts entnehmen als die Einsicht, daß ein geachteter Fantasy-Autor christlich-apokalyptischer Eschatologien wie The Stand für Moralität zu wenig übrig hat, davon zu erzählen. Eindringlicher, und an Einsicht reicher, hat schon Sartre in der Geschlossenen Gesellschaft (Huis Clos) existentielle Normen und Freiheiten gegeneinander abgewogen.

132 Seiten, Festeinband
engl.-sprachig
Erzählungen, Literatur, Krimis, Vereinigte Staaten

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mmxi.i

März 8th, 2011 — 5:03am

Weihnachten mit Thomas Mann
Hrsg. v. Sascha Michel
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2009

In schmucker Ausstattung wartet diese Anthologie, erschienen im Fischer-Verlagsimprint Fischer Klassik, mit einer Auswahl von Texten aus der Feder Thomas Manns auf, die allesamt inhaltlich oder zeitlich einen Bezug zum Weihnachtsfest ausweisen. Mann, der große Romancier, ist mit zwei längeren Auszügen aus den Buddenbrooks und dem Zauberberg vertreten, die je jene Passagen aus dem Werkkontext exzerpieren, die dem Heiligen Fest gewidmet sind, was sie nun aber auch all ihrer Bezüge verlustig gehen läßt. Es schmerzt ein wenig, die meisterliche Komposition so zerteilt zu sehen. Erquicklicher sind die aufgenommenen Briefe und Tagebücher Manns, die familiäre Stimmungsbilder und politische Kommentare, Lektürenotizen und kursorische Werkkritik versammeln und die vielfältige Korrespondenz Manns von 1890 an bis Ende 1954 schlaglichtartig beleuchten: Hesse, Dehmel, Verlagsvater Samuel Fischer und Bruder Heinrich und zahlreiche andere Adressaten und Gesprächspartner bezeugen Manns Rolle und Einbindung in die Gesellschaft Münchens, Princetons und Zürichs – wie auch das Exil in Pacific Palisades und Manns entschiedenen, bitter-ironischen Dammspruch über die alte Heimat:

“Amerika muß diesen Krieg erst lernen. Das Unglück von Pearl Harbor zeigt, wie wenig es noch eine Vorstellung hat von seiner bösen Unbedingtheit, seinem Radikalism. [...] Von diesem Schauplatz [im Pazifik] ist wohl noch mancher Kummer zu erwarten. Desto mehr Vergnügen macht uns Adolf mit seinen inneren Stimmen und seiner ‘raison d’être.’ (Als Eroberer Galliens fängt er an, sich des Französischen zu bedienen, wenn auch nicht ganz richtig.) Sein Tagesbefehl bei Entlassung der Generäle und eigener Uebernahme des Kommando’s war unbezahlbar. Seit der Jungfrau von Orleans ist etwas so Romantisches nicht mehr dagewesen. Ach, die heillose Kröte, wann wird ihr einer den Kopf zertreten?” (Brief an Agnes E. Meyer vom 23.12.1941)

So rasch wird aus dem Heiland NS-Deutschlands im Handstreich die Unke in all ihrem Unglück gekehrt, eine Lektion, die viele “Volksgenossen” erst später bitterlich lernen mußten. Neben solch brillanten Charakterisierungen und Sentenzen des Essayistikers finden sich zahllose Alltagskommentare, die ein Licht werfen auf die eiserne Disziplin, der sich Mann unterzog, und seine nicht selten aufflackernde Unlust ob all der Pflichten. Mann, der Hypochonder, tritt in Erscheinung. Hier bewirkt die Sammlung Neugierde, den Blick auf die Tagebücher über die Weihnachtstage hinaus zu weiten. Neben Thomas Mann lädt der Verlag in gleicher Ausführung, Prägestempel, güldenem Balken, christfestlichem Motivtitel, auch zur Weihnacht mit Kurt Tucholsky. Als Reminiszenz und Ermahnung, wieder einmal zu beider Autoren Œuvre erster Hand zu greifen, könnten die Anthologien gelingen, doch sie begnügen sich zur Unterhaltung. Der Leser kann nicht umhin, sich einzugestehen, zu kapitulieren vor dieser schnellebigen Zeit mit ihrer modularisierten Lesepraxis:

Warum sich hier bescheiden zur leichten Kost anstelle wuchtiger Bände? Warum Exzerpte und durchkämmter Streifzug anstelle eines sich in Fülle entfaltenden erzählerischen Duktus und stiebender Kurzprosa im Original? Es sind dies Bücher, die einladen zum Lesen nebenher, dem Leser die Kulturtechnik aber nicht mehr gewissenhaft abverlangen. Hierzu paßt auch, daß die editorische Textarbeit sehr übersichtlich bleibt; mithin Personen, Orte, Werke ohne Bezug und Erläuterung sind – und damit Schall und Rauch. So bleibt von der Blütenlese nur eine ungefähre Ahnung, und das ist schade.

121, (6) Seiten, Taschenbuch
dt.-sprachig
Sammlung, Prosa, Deutschland

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mmix.xxvi

Januar 6th, 2010 — 6:22am

Paul Auster: Oracle Night
Faber and Faber, London 2004

beg, bee: 30.12.2009, 05.01.2010

243 Seiten, Festeinband
engl.-sprachig
Roman, Literatur, Postmoderne, Vereinigte Staaten

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mmix.xxv

Januar 6th, 2010 — 6:02am

Titus Arnu (Hrsg.): Übelsetzungen – Sprachpannen aus aller Welt
Langenscheidt, Berlin / München et al. 2007
3. Auflage 2008

beg, bee: 27.12.2009, 28.12.2009

Wohl kaum ein Buch zu nennen, ergeht sich dies unverkennbar deutsche Printprodukt, ohne jeglichen Hintersinn, in Schadenfreude und Häme und läßt so neben wohlfeilem Feixen für Sprachwitz oder humorvolle Sprachkritik keinen Raum. Montiert und redigiert qua wahllosem Cut & Paste und beliebiger Bebilderung, entpuppt es sich so in für einen Verlag wie Langenscheidt beschämender Weise als billige Fließbandware, welche die Leser mit eigenen Schnappschüssen und Fundstücken zu ergänzen aufgefordert sind im als Anschreiben verfaßten Kolophon. ????: Drek auf dem teller.

128 Seiten, Broschur
dt.-sprachig
Bildband, Sprachkritik, Deutschland

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mmix.xxiv

Januar 6th, 2010 — 5:27am

Paul Auster: Man in the Dark
Faber and Faber, London 2008
3. Auflage 2009

beg, bee: 18.12.2009, 26.12.2009

180 Seiten, Taschenbuch
engl.-sprachig
Roman, Literatur, Postmoderne, Vereinigte Staaten

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mmix.xxiii

Januar 6th, 2010 — 5:21am

James Baldwin: The Fire Next Time
Penguin Books in association with Michael Joseph, Harmondsworth / Ringwood 1963, 1964
7. Auflage 1971

beg, bee: 08/2009, 11/2009

96 Seiten, Taschenbuch
engl.-sprachig
Essays, Literatur, Rassenpolitik, Vereinigte Staaten

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mmix.xxii

August 22nd, 2009 — 6:47am

Oscar Ogg: The 26 Letters
Thomas Y. Crowell Company, New York 1961, 1948
8. Auflage 1962

beg, bee: 31.07.2009-02.08.2009 u. 18.-19.08.2009

“The reason that the letter forms of many early designers are superior to their modern counterparts is that the modern letterers have attempted to arrive at the conclusions of the early designers without first having become acquainted with the sources of their results.” (Oscar Ogg, zitiert in: Leslie Cabarga: Logo, Font & Lettering Bible, S. 78)

Der Liebe zum Schreiben entspringt dieses Buch, nicht im Sinne des literarischen Vollzugs, sondern als Ausführung und Gestaltung der Schrift zum eigenständigen Objekt von Kunstfertigkeit und Zeugnis des Schönen; und sein Autor, Oscar Ogg (1908-1971), gilt neben Paul A. Bennett und Warren Chappell als einer der herausragenden US-amerikanischen Schriftentwerfer, Graphiker und Illustratoren Mitte des 20. Jahrhunderts. The 26 Letters erschien erstmalig 1946 in kleiner, bibliophiler Auflage in New York, im gleichen Jahr, als Ogg dort die kalligraphische Abteilung an der Columbia-Universität begründete, und nimmt den Leser mit auf eine Reise von den vorgeschichtlichen Ursprüngen der Schrift in Skulptur und Höhlenmalerei bis zu dem uns vertrauten, in einer langen Entwicklungskette ausgeformten lateinischen Alphabet mit seinen 26 Buchstaben. Kursorisch folgt Ogg in sieben von neun Kapiteln der Geschichte des Abc mit einer Übersicht der konkurrierenden Schriftsysteme der alten Ägypter (hieroglyphisch, hieratisch, demotisch) und einem faszinierenden Exkurs über die (kolonial verwickelte, kollateral durch Napoleons Feldzug bedingte) Entdeckung und Entzifferung des Steins von Rosetta, beschreibt die Herausbildung des ersten wahren, des phönizischen Alphabets mit seiner Vermengung kretisch-minoischer und ägyptischer Einflüsse mit den Cuneiform der Völker Mesopotamiens (Assyrer, Babylonier, Hethiter) und zeichnet die Überführung der Schrift vom griechisch-römischen Zeitalter bis hin zur Moderne nach. Der karolingische Beitrag um die Minuskeln, die Sonderformen der Halbunziale auf den britischen Inseln und in der frühchristlichen Literatur Irlands, die stilistische Virtuosität der Manuskripte mönchischer Skribenten des Hochmittelalters finden ebenso Erwähnung wie, eingehend und archetypisch, die formvollendete Inschrift der im Jahr 113 in Rom errichteten Trajanssäule als erstem Höhepunkt europäischer Hochschriftkultur.

Ogg illustriert sein zentrales Argument, die Gestaltung der Buchstaben des Alphabets folge aus dem Werkzeug, das der jeweiligen Kultur zum Schreiben zur Verfügung stehe, ein ums andere Mal, wenn er die Keilschrift wortwörtlich nimmt, in deren Bezeichnung selbiger Zusammenhang genuin eingefaßt ist, wenn er die gerade Strichführung (früher) altgriechischer Buchstaben ableitet aus der Verwendung von Wachstafeln, in welche Notizen mit einem Griffel eingekratzt wurden, während die Nutzung von Papyrus und (später) auch Papier und Pergament schon der klassischen Antike weichere, geschwungenere Formen erlaubte, und wenn er die Beschriftungen griechischer Reliefs und Plastiken vergleicht mit der Blüte trajanscher Kapitalien, derer erstere noch mit geradem Schlag mit dem Meißel dem Stein abgerungen sind, während letztere zunächst aufgemalt und hernach in ihren Rundungen und Wölbungen vom Steinmetz raffiniert herausgearbeitet wurden, wobei die Römer, durch ihre Meißeltechnik genötigt, die Serifen herausbildeten. “The tool governs the form again [and again]“ (S. 213), konstatiert Ogg, und so bleibt die Bedeutung von Material und Instrumentarium für die Kulturtechnik des Schreibens auch Leitmotiv der zwei abschließenden Kapitel zur Geschichte des frühen Buchdrucks, welcher rasch die Entwicklung standardisierter Schrift-Lettern bedingte. Waren die ersten Vertreter des Druckhandwerks noch orientiert an mittelalterlichen Handschriften und regionalen Varianten des lateinischen Alphabets, gewannen binnen eines Jahrhunderts die zwei Formen Vorrang, die bis heute idealtypisch unseren Schriftzeichen unterliegen: Die gebrochenen Schriften, auch Gotische genannt (Fraktur, Schwabacher, Rotunda), die, da sie aufgrund ihres starken Strichs und ihrer gedrängten Gestalt die Buchseiten eng und dicht bedruckt erscheinen ließen: in Schwarz getaucht, im Englischen als Black-Letters bezeichnet werden, und die aus der Kombination humanistischer Minuskeln mit altrömischen Versalien entwickelten Antiquaschriften, letztere bereichert und erweitert durch die Italienische (Italic, echte Kursivschrift) des Aldus Manutius, des Meisters des venezianischen Renaissancebuchdrucks. (Einzig im deutschsprachigen Raum behauptete sich die Gotische bis ins 20. Jh. und fand, als Schreibschrift, in den deutschen Kurrentschriften (z.B. Sütterlin) ihre idiosynkratische Entsprechung.)

Ogg, ein meisterlich geschulter Kalligraph, hat sein Buch mit einer Vielzahl teils kolorierter Schriftbeispiele und Abbildungen versehen, die die mühevolle Geschichte von Schriftwerdung und -erzeugung anschaulich illustrieren; und auch jüngere Leser mögen dem Gedankengang Oggs in seiner einfachen, klar strukturierten Sprache trefflich folgen, nicht zuletzt weil im Erzählton sich die Begeisterung des Autors für das Phänomen des Schreibens vermittelt. Daß er, typographisch-typophil, den Schriftsatz Old Face William Caslons für den vorliegenden Text wählt: “No type of any time, however, has ever made a more attractive and readable page than the original type of Caslon [designed about 1724], [of which] you have an example of a modern redrawing of [...] his honest, handsome letters before you now as you read this book” (S. 239), belegt, wie sehr dem Verfasser die Schreibkunst eine ars amandi war. Was sagte wohl dieser bibliophile Traditionalist zu den heutigen Schriftarten, wie sie moderne Dokumente, ergonomisches Online-Publishing prägen? So bestätigt er sich angesichts PC-gestütztem Schriftdesigns fände in seiner These: Form qua Funktion und Werkmaterial, hieße er sie vielleicht serifen-, charakter- und seelenlos? Produkte tachogener Weltfremdheit? Im nahezu unerschöpflichen Variantenreichtum rechnerbasierter Alphabete finden sich nur wenige, die dadurch bestechen, wie ausgewogen, formschön und elegant sie gestaltet sind. Und so faßt das vorangestellte Zitat, kolportiert vom Fontdesigner Leslie Cabarga, die Arbeitsethik und -technik des Oscar Ogg vielleicht am treffendsten: Nur das Nachvollziehen der Geschichte des Schreibens lehrt das Schreiben selbst.

(7), 262 Seiten, Festeinband
engl.-sprachig
Buchdruck, Typographie, Europa

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mmix.xxi

August 11th, 2009 — 11:47pm

Theodor Heuss: Dank und Bekenntnis
Gedenkrede zum 20. Juli 1944
Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins, Tübingen 1954

beg, bee: 07.08.2009, 07.08.2009

Der Text kann hier als PDF-Dokument online nachgelesen werden.

16 Seiten, Heft
dt.-sprachig
Politik, Drittes Reich, Deutschland

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mmix.xx

August 11th, 2009 — 11:32pm

Arnold Zweig: Der Spiegel des großen Kaisers
Verlag der Nation, Berlin 1964

beg, bee: 15.07.2009, 24.07.2009

148 Seiten, Festeinband
dt.-sprachig
Novelle, Literatur, Deutschland

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