You are currently browsing the archives for the Religion tag.

Περί εὐδαιμονία

October 17th, 2011

Vitam regit fortuna non sapientia.

“Idem est ergo beate vivere et secundum naturam. Hoc quid sit iam aperiam: si corporis dotes et apta naturae conservabimus diligenter et impavide tamquam in diem data et fugacia, si non subierimus eorum servitutem nec nos aliena possederint, si corpori grata et adventicia eo nobis loco fuerint quo sunt in castris auxilia et armaturae leves - serviant ista, non imperent - ita demum utilia sunt menti. [...] Quare audaciter licet profitearis summum bonum esse animi concordiam; virtutes enim ibi esse debebunt ubi consensus atque unitas erit, dissident vitia.” (Seneca: De vita beata, 8 (2), (6))

“Denn was hindert dich trotz alledem, deiner Seele die Heiterkeit, ein richtiges Urteil über die Welt und eine erfolgreiche Benützung der ihr gebotenen Gelegenheiten zu bewahren?” (Marcus Aurelius: Selbstbetrachtungen [OT: Τὰ εἰς ἑαυτόν], Lib. VII: 68 [69])

“Pour Martin, il était fermement persuadé qu’on est également mal partout; il prenait les choses en patience. [...] ‘Le travail éloigne de nous trois grands maux: l’ennui, le vice, et le besoin’ [,répondit le Turc].” (Voltaire: Candide, ou l’optimisme, chapitre 30: Conclusion)

“Det begyndte å bli lyst imorges da jeg våknet. Dagslysset trængte ind på begge sider av rullegardinet. Ellen var også våken, hun sukket træt og smilte til mig. Hendes armer var hvite og fløielsagtige, hendes bryst overmåte høit. Jeg hvisket til hende og hun lukket min mund med sin, stum av ømhet. Dagen blev lysere og lysere.” (Knut Hamsun: Livets røst, ex: Kratskog)

“Comme une marée immense, l’être aura dominé le frémissement des êtres. Au sein d’un océan tranquillisé, mais dont chaque goutte aura conscience de demeurer elle-même, l’extraordinaire aventure du monde sera terminée. Le rêve de toute mystique, l’éternel songe panthéiste, auront trouvé leur pleine et légitime satisfaction. Erit in omnibus omnia Deus.(Pierre Teilhard de Chardin: Mon univers)

“Wirkliches Schenken hatte sein Glück in der Imagination des Glücks des Beschenkten. Es heißt wählen, Zeit aufwenden, aus seinem Weg gehen, den anderen als Subjekt denken: das Gegenteil von Vergeßlichkeit. [...] Alle nicht entstellte Beziehung, ja vielleicht das Versöhnende am organischen Leben selber, ist ein Schenken.” (Theodor W. Adorno: Minima moralia, Teil I: 21: Umtausch nicht gestattet)

“I et herlig øyeblikk forenes ånden og sjelen i kandidaten, og hans fremtidige tilværelse vil gå ut på gjennom tjeneste overfor sine medskapninger å la denne første forening av sjel og ånd gjentas inntil den blir en permanent og alltid herligere realitet. Som nevnt omtales denne innvielse som en fødsel, og i den kristne religion symboliseres den ved Jesu fødsel.” (Erling Havrevold: Stadienes vei: De store innvielser, ex: Det evige nærvær)

“Ich halte mich zurück. Durch den Himmel, die Arme unten, ohne Matsch, ohne Winter, ohne Lucio, ohne Muskeln. An nichts denken, denn das wäre Arbeit, und Arbeit ist eine Last, die größte Last überhaupt, sie verdirbt den Rhythmus. [...] Nach zwanzig Kilometern erreicht man eine Schwelle, hinter der die Erschöpfung ihre Kraft verliert, die Sinne schläfrig werden und die Muskeln anfangen, vor sich hin zu träumen. Die Unebenheiten des Geländes werden weich wie Gummi. [...] Geradeaus, durch eine bewegungslose Landschaft könnte man diesen leichten, mechanischen Rhythmus, den nicht einmal das Herz spürt, tagelang durchhalten. [...] Man könnte ewig durchhalten. Vielleicht ist das das eigentlich Erstrebenswerte, immerzu laufen, bis in alle Ewigkeit, die Jahre vorüberziehen zu lassen, alt werden, die Beine immer in Bewegung, damit das Herz vor den Füßen stehenbleibt. [...] Lucio braucht nichts zu verstehen. Verstehen hat keinen Einfluß auf sein diszipliniertes Bewußtsein. - Genug der Metaphysik.” (Alejandro Gándara: Die Mittelstrecke [OT: La media distancia], S. 16, 34, 55)

“Mornings without fail, every night when he returned. He looked into the dusty glass, reciting fragments from the instruction sheet. Hold to a count of five. Repeat ten times. He did the full program every time, hand raised, forearm flat, hand down, forearm sideways, slowing the pace just slightly, day to night and then again the following day, drawing it out, making it last. He counted the seconds, he counted the repetitions.” (Don DeLillo: Falling Man, p. 235f.)

“The secret to a long and healthy life is to be stress-free. Be grateful for everything you have, stay away from people who are negative, stay smiling and keep running.” (Fauja Singh, translated by Harmandar Singh)

Quia bonus est, sumus.

Stray observations V

September 11th, 2011

(i) Let me introduce you to New York’s fauna and its habitats: Mus musculus (a fugitive rodent at Westside Cleaners), Columba livia domestica (frequently observed on my window sills and the a/c), and the utterly abominable Scutigera coleoptrata, which ranks high among the most creepy extraterrestials ever.

(ii) An embarrassingly long-sought solution to a standard mathematical problem: t[h] = ((speed.A [km/h] + speed.B[km/h]) / distance [km])^-1. (See here if you wish to inquire what that means.)

(iii) How come all the jams I enjoy here in the States, are of Italian origin? First Fiordifrutta: Organic fruit spread: Raspberry, produced by Rigoni di Asiago Spa, Star-K kosher-certified, and now Pomegranate Raspberry: Organic Preserves by Mediterranean Organic, extra fruit, artisan crafted, “grown under the Mediterranean sun, [...] picked at the peak of ripeness and processed in small batches on a 4th generation Italian family farm”.

(iv) A Gourmet Deli? No doubt, I must be in West Village, bordering on Chelsea.

320 West 14th Street

320 West 14th Street

(v) $800 for a dinner for two (omakase-style)? I’d rather go have cazuelas fajitas-style at hip Dos Caminos on the border to Meatpacking District, and then head over to Gaslight with its laidback, retro atmosphere.

(vi) I need my watch battery replaced. Looking for a dealer in the Manhattan yellow pages, I notice that 47 W St nr 5th Ave is the epicentre of New York’s watch-retail, -service and -repair - a.k.a. the Diamond District.

(vii) Spam: “The Jew Watch Project’s 1.5 Billion Pages Served Demonstrate Our Focus on Professionalism”. - What is wrong with you people?! About 1,500,000,000 skew reasons.

(viii) Do you also have a sense of epiphany with this Google Maps street view image?

Kierkegaard als Bild

April 25th, 2011
Sprung zum Glauben

Sprung zum Glauben

“Sjelden høres en alvorligere Røst, der formaner Enhver at tage mod Livets Underviisning og at lade sig opdrage i Gjenvordighedens Skole, en prøvet Tale, der med al Eftertryk spørger: skulde en Riig frelses, skulde den Mægtige gaae ad den trange Vei, skulde den Lykkelige fornegte sig selv, skulde den Lærde og Kloge annamme den foragtede Sandhed.”

(Søren Kierkegaard: Tre opbyggelige Taler, Kjøbenhavn 1843, S. 46)

Weber-Zeit

August 18th, 2010

Im Zuge seiner Protestantismusstudien und religionssoziologischen Untersuchen schreibt Max Weber über Genese und Kausalverhältnis westlicher Rationalität und Kapitalismus einerseits und protestantischer Religion andererseits: “[D]er asketische Protestantismus machte der Magie, der Außerweltlichkeit der Heilssuche und der intellektualistischen kontemplativen “Erleuchtung” als deren höchster Form wirklich den Garaus, nur er schuf die religiösen Motive, gerade in der Bemühung im innerweltlichen “Beruf” – und zwar im Gegensatz zu der streng traditionalistischen Berufskonzeption des Hinduismus: in methodisch rationalisierter Berufserfüllung – das Heil zu suchen.” (Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft, Tübingen 1922)
An anderer Stelle expliziert Weber diese These – und mit ihr den Charakter “der protestantischen Berufsethik, welche, als Virtuosenreligiosität, auf den Universalismus der Liebe verzichtete, alles Wirken in der Welt als Dienst in Gottes [...] Willen und Erprobung des Gnadenstandes rational verpflichtete und damit auch die Versachlichung des mit der ganzen Welt als kreatürlich und verderbt entwerteten ökonomischen Kosmos als gottgewollt und Material der Pflichterfüllung hinnahm.” (Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I, Tübingen 1920, S. 544)

Erscheint Nachstehendes dann nicht als genuiner Ausdruck protestantischer Arbeitsethik nach Max Weber? Welch glücklicher Fund!

“Nun lasset uns das Gleichnis von einem Kaufmann noch einmal ansehen. Was treibet den Kaufmann an, daß er Waaren kauft? Der Gewinn. Wornach strebet er, wenn er ein gantzes Waaren-Lager auskaufet? Ein groser Gewinn. Er kaufet ja nicht deswegen, daß er die Waaren müssig auf einander liegen lasse: Nein; sondern er ist nun eben so geschäftig, ja noch sorgfältiger, noch arbeitsamer, daß er seine Waaren zur bequemsten Zeit, auf die beste Weise, und mit dem grösten Vortheil wieder an den Mann bringe, damit sich sein Gewinn und Reichthum vermehre.
Wenn Christen die Zeit auskaufen: So geschiehet solches nicht aus der Absicht, daß sie solche zum Müssiggang anwenden. Es wäre auch ohnmöglich, daß man die Zeit kaufen, und doch müssig gehen könte. Denn die Zeit kaufen heiset so viel, als die Zeit sorgfältig zu rath halten, damit man seine Geschäfte desto besser verrichten möge. Müssig gehen aber heiset so viel, als die Zeit verschleudern, nicht achten, oder, wie die Welt sagt, die Zeit vertreiben, gleichsam wegjagen, damit sie uns ja nichts nutzen möge. Ein wahrer Christ, der die Zeit auskaufet, und ein Müssiggänger, sind also wiedersprechende Dinge.
Wenn man nun fraget: Warum sind wahre Christen so sorgfältig auf ihre Zeit? so ist die Antwort: Sie wollen etwas damit gewinnen. Sie wenden ihre Zeit mit Fleis zu Geschäften an, und durch die Geschäfte wollen sie grose Vortheile erlangen.”

(Johann Philip Fresenius: Auserlesene Heilige Reden über die Epistolische Texte aller Sonntäge und hohen Festtäge durchs gantze Jahr, Nebst einer Zugabe von Einigen Bus-Predigten. Mit nützlichen Dispositionen und zweyen Registern an das Licht gestellet. Franckfurt und Leipzig, Bey Heinrich Ludwig Brönner, 1755, S. 886-887)

Seelenschau

August 4th, 2010

Wir begegnen der Welt sinnlich und reflexiv, mit Leib und Seele respektive Geist, wie letztere Fakultät traditionell unterschieden wird hinsichtlich ihres Gegenstandsbereichs und Modus, in der Betrachtung und Empfindung, die beide denselben doppelsinnigen Charakter bezeugen in ihrem Verweis auf Physis und Psyche der lebendigen Welt, auf Innenschau und Wechselwirkung mit der vom Subjekt verschiedenen äußeren Natur. Wahr-Nehmung bindet das Außen als Abgeschiedenes und Anderes an das Binnen und den Betrachter ebenso wie sie der Wirklichkeit in der Fülle an Phänomenen den Charakter des (einen) Wahren zuspricht: Sie ist stets auch Narrativ des Subjekts, das in der Erzählung der Seele von der Welt seinen Ursprung findet und ausführt und so sich erstmals selbst-bestimmt. Wie nun können wir in der Welt uns erkennen, in der Seelenschau uns ihr zuwenden, wenn nicht darin ein Widerpart sich findet und bestimmt? Der Animismus als kulturelle Praxis, als Wegbereiter der sich später ausdifferenzierenden religiösen Kulte, bis hin zu den abrahamitischen Monotheismen Europas und des Nahen Ostens, wirkt an vielen Stellen noch immer fort, nicht einzig unverfälscht bei indigenen oder primitiven Völkern, sondern auch in elaborierten Praxen moderner Gesellschaften. Und wer kennt nicht die Ahnung einer beseelten Natur, wenn nachts sich unvermittelt die Haare aufstellen am Bein, als ob eine Hand daran entlang gestreift sei, ohne daß ein Luftzug sich fände, oder wenn ein Falter unabwendbar seine Bahnen enger und enger zieht um eine heiße Lichtquelle, konzentrisch, erratisch dem Ende entgegentaumelt, und eine feine Rauchfahne aufsteigt, just wenn er auflodert und verglüht in einem letzten hitzigen Atemhauch?

Text: Edward Clodds Religions Ancient & Modern: Animism: The Seed of Religion:
Abschrift (216 kB) (PDF-Dokument)

Landschaften

June 28th, 2009

La campagne est un vaste théâtre dont les décorations changent dans toutes les saisons; le brillant spectacle de la nature y est représenté sous les couleurs les plus vives & les plus variées; tantôt elle nous offre des forêts dont l’ombre agréable nous invite au repos, des ruisseaux qui serpentent dans la plaine, de[s] riantes prairies où l’abondance coule du sein des eaux qui les arrosent. Ici mille oiseaux charment à la fois, & les oreilles & les yeux.

(Du spéctacle de la nature, p. 120)

Le feu du sentiment s’alume à ce foyer brûlant. Une volupté pure coule dans tous nos sens, & éleve en quelque façon notre corps au-dessus de sa fragile nature. Notre ame s’agrandit, & prend des traits divins. La terre disparoit à nos yeux; le ciel se découvre à nous dans tout son éclat, & nou[s] commençons dans le temps à entonner l’hymne auguste de la glorieuse éternité.

(De la nature de l’Être souverain, p. 323)

ex:
N.N. (= Chevalier de Lasne d’Aiguebelle): Testament spirituel, ou Derniers adieux d’un père mourant à ses enfans. Ouvrage posthume du Chevalier de ***
Jean Mossy, Marseille 1776

mmix.xv

May 20th, 2009

Harald Höffding: Sören Kierkegaard als Philosoph
(Frommanns Klassiker der Philosophie III)
Friedrich Frommanns Verlag (Erich Hauff), Stuttgart 1896

beg, bee: 25.04.2009, 19.05.2009

x, 170 Seiten, Festeinband
dt.-sprachig (Ü: Albert Dorner, Christoph Schrempf)
Philosophie, christliche Ethik, Dänemark

Dies iræ

April 15th, 2009

Aut hic errat (ait) nulla cum lege per ævum
Mundus, & incerto discurrunt sidera motu:
Aut, si fata movent, orbi, generíque paratur
Humano matura lues. terræ ne dehiscent,
Subsidentque urbes? an tollet fervidus aër
Temperiem? segetes tellus infida negabit?
Omnis an infusis miscebitur unda venenis?
Quod cladis genus, ô Superi? qua peste paratis
Sævitiam? extremi multorum tempus in unum
Convenêre dies.

(Liber I, Versus 642-651, p. 47)

ex:
Marcus Annæus Lucanus: De bello civili sive Pharsalia
cum Hug: Grotii, Farnabii notis integris & Variorum selectiß.
Accurante Corn: Schrevelio.
Officina Elzeviriana, Amstelodami [Amsterdam] 1658

mmix.viii

March 26th, 2009

Brian Fishman: Dysfunction and Decline: Lessons Learned from inside Al-Qa’ida in Iraq
Harmony Project / The Combating Terrorism Center at U.S. Military Academy at West Point, West Point (New York) 2009

beg, bee: 26.03.2009, 26.03.2009

Eindrucksvoll und pointiert analysiert Brian Fishman in diesem Aufsatz die Gründe für die schwindende Rolle und Bedeutung des 2004 von Abu Musab al-Sarkawi ins Leben gerufenen Al Kaida-Ablegers im Irak (AQI) und leitet hieraus Empfehlungen ab für den Kampf der westlichen Alliierten andernorts gegen das dschihadistische Netzwerks Osama bin Ladens (samt und sonders natürlich für die US-Streitkräfte im Rahmen der Operation Enduring Freedom in Afghanistan (OEF-A)). Bemerkenswert ist die Klarheit und Nüchternheit der Analyse, welche unvernebelt von politischer Agitation ebenjene Merkmale identifiziert, die AQI zunächst breite Unterstützung durch sunnitische Aufständische im Irak sicherten und dann, nach drei Jahren blutiger Abnutzungsschlacht auch zunehmend unter den Waffenbrüdern selbst, um den Sieg brachten. Nicht die militärische Überlegenheit der amerikanischen Truppen führte zum Erfolg, obschon die von General David H. Petraeus eingeleitete Strategieänderung fraglos eine Verbesserung der Sicherheitslage zwischen Euphrat und Tigris bewirkte, die irakischen Sunniten selbst (und nicht zuletzt ihre radikalen Elemente) haben AQI eine empfindliche Niederlage beigebracht:

“U.S. troops did exactly what they should do in such circumstances; they facilitated AQI’s decline by killing and capturing key leadership, disrupting communications and logistics processes, and giving the local tribes a legitimate path to political participation. But it was the rejection of AQI by local Sunnis that discredited and degraded the organization. Their concerns were both profound and banal: ranging from anger over AQI’s ideological extremism to frustration that AQI monopolized local smuggling networks.” (S. 30)

Hinzu traten eine Vielzahl strategischer, personeller und logistischer Mängel in der Aufstellung und Ausrichtung der AQI wie beispielweise ihre ideologisch motivierte, die irakische Unterstützerbasis zunehmend entfremdende Bereitschaft zu extremer Gewalt auch und besonders gegen Muslime sowie ein grundsätzliches Unverständnis mit Blick auf die Stammesgesellschaft und kulturellen Gepflogenheiten Iraks. Al Kaida hat seine Schlüsse aus dem Versagen AQIs gezogen und seine Lektionen gelernt, wie ein von US-Truppen sichergestelltes Dokument (“Lessons Learned” (PDF)) belegt. Mit überraschender Offenheit, und fraglos in Übereinstimmung mit dem veränderten außenpolitischen Kalkül der neuen US-amerikanischen Regierung Barack Obamas, beurteilt Fishman die langfristigen Konsequenzen des Irakfeldzugs für den “War on Terror”:

“Despite these important setbacks for al-Qa’ida, the U.S. presence in Iraq - and al-Qa’ida’s confrontation with U.S. forces there - has greatly benefited the jihadist movement. AQI’s campaign enabled al-Qa’ida writ large to maintain media presence, distract U.S. attention from Afghanistan, gain tremendous tactical expertise, and participate in a very popular fight. Furthermore, the central organization based in Pakistan invested very little to initiate its relationship with Abu Mus’ab al-Zarqawi and the jihadists that became AQI - offering little more than their reputation and brand name.” (S. 28)

Dies (implizite) Verdikt bezüglich der Irakpolitik der Vorgängerregierung Bush ist nicht so sehr inhaltlich eine Überraschung, es stimmt in vielen Kernpunkten mit der Kritik überein, die vor Beginn des Irakkriegs von Gegnern desselben angeführt wurde, es fügt sich aber in seiner differenzierten Analyse nahtlos ein in die militärisch-politischen Abwägungen, mittels derer Fishman wertvolle Lehren aus dem Nahezu-Debakel des (meiner Ansicht nach) völkerrechtlich nicht legitimierten Krieges zieht. So empfiehlt er beispielsweise, die (begrenzte) Kooperation mit Aufständischen zu prüfen, wo sich gemeinsame Interessen finden, die gegen Al Kaida gerichtet sind, wie auch die lokalen Gegebenheiten in Afghanistan intensiv zu studieren und sich gegebenenfalls zunutze zu machen.

Wie der Autor zurecht schreibt, ist die Lage im Irak auch nach den relativ ruhigen Provinzwahlen im Januar nicht rosig, die eingetretene Stabilisierung darf nicht mit Stabilität des politischen Systems, gar einem demokratischen, dauerhaft friedvollen Zweistromland verwechselt werden. Al Kaida und seine Verbündeten werden auch trotz der herben Niederlage AQIs sowohl im Irak als auch im Grenzgebiet Pakistans und Afghanistans aktiv bleiben und im letzteren als neuem (auch medialen) Hauptkampfplatz weiterhin schlagkräftig operieren und Terror gegen Zivilbevölkerung und die geschmähten westlichen Truppen ausüben. Es besteht aber die Hoffnung, daß der Krieg gegen das islamistische Netzwerk und seine Zweigstellen erfolgreich geführt und gewonnen werden kann, wenn seine Strategie sich an ruhigen, auch selbstkritischen Analysen wie dieser CTC-Publikation orientiert und damit dem Gegner Gelegenheit gegeben wird, sich selbst und seine menschenverachtende Ideologie zu desavouieren.

36 Seiten, Aufsatz (PDF-Dokument)
engl.-sprachig
Analyse, Politik, Militär / Terrorismus, Irak

Heillos glücklich

March 18th, 2009

C’est au contraire un grand bien, dites-vous, d’être riche, d’être puissant, d’être honoré, de jouir, d’une santé parfaite. Réunissez tous ces avantages que la fortune rassemble si rarement dans une même personne: ajoûtez-y encore toutes les voluptés sensuelles & les délices qui peuvent consommer cette prétenduë félicité; mais laissez dans l’ame de cet heureux mortel, un désir inquiet d’obtenir encore un bien qu’il croit lui manquer; laisser dans son cœur du trouble, de l’agitation, de la crainte ou du dépit: une seule de toutes ces passions suffira pour déconcerter tout ce bonheur apparent. Cet heureux mortel trouvera la vie insupportable.

(Traité du faux bonheur des Gens du monde, pp. 345-346)

ex:
N.N. (= Jean-Joseph Languet de Gergy): Traité de la confiance en la misericorde de Dieu, Pour la consolation des ames, que la crainte jette dans le découragement.
Augmenté d’un Traité du faux bonheur des Gens du monde, & du vrai bonheur de la Vie Chrétienne
Septiéme Édition, revûë par l’Auteur
J.B. Garnier, Paris 1754