{"id":1030,"date":"2010-08-18T09:22:53","date_gmt":"2010-08-18T07:22:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/?p=1030"},"modified":"2013-01-07T00:00:39","modified_gmt":"2013-01-06T22:00:39","slug":"weber-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/weber-zeit-1030.html","title":{"rendered":"Weber-Zeit"},"content":{"rendered":"<p>Im Zuge seiner Protestantismusstudien und religionssoziologischen Untersuchen schreibt Max Weber \u00fcber Genese und Kausalverh\u00e4ltnis westlicher Rationalit\u00e4t und Kapitalismus einerseits und protestantischer Religion andererseits: &#8222;[D]er asketische Protestantismus machte der Magie, der Au\u00dferweltlichkeit der Heilssuche und der intellektualistischen kontemplativen &#8222;Erleuchtung&#8220; als deren h\u00f6chster Form wirklich den Garaus, nur er schuf die religi\u00f6sen Motive, gerade in der Bem\u00fchung im innerweltlichen &#8222;Beruf&#8220; \u2013 und zwar im Gegensatz zu der streng traditionalistischen Berufskonzeption des Hinduismus: in methodisch <em>rationalisierter<\/em> Berufserf\u00fcllung \u2013 das Heil zu suchen.&#8220;<br \/>\n<em>(Max Weber: <a href=\"http:\/\/www.textlog.de\/7953.html\">Wirtschaft und Gesellschaft<\/a>, T\u00fcbingen 1922)<\/em><\/p>\n<p>An anderer Stelle expliziert Weber diese These \u2013 und mit ihr den Charakter &#8222;der protestantischen Berufsethik, welche, als Virtuosenreligiosit\u00e4t, auf den Universalismus der Liebe verzichtete, alles Wirken in der Welt als Dienst in Gottes [&#8230;] Willen und Erprobung des Gnadenstandes rational verpflichtete und damit auch die Versachlichung des mit der ganzen Welt als kreat\u00fcrlich und verderbt entwerteten \u00f6konomischen Kosmos als gottgewollt und Material der Pflichterf\u00fcllung hinnahm.&#8220;<br \/>\n<em>(Max Weber: Gesammelte Aufs\u00e4tze zur Religionssoziologie, Bd. I, T\u00fcbingen 1920, S. 544)<\/em><\/p>\n<p>Erscheint Nachstehendes dann nicht als genuiner Ausdruck protestantischer Arbeitsethik nach Max Weber? Welch gl\u00fccklicher Fund!<\/p>\n<p>&#8222;Nun lasset uns das Gleichnis von einem Kaufmann noch einmal ansehen. Was treibet den Kaufmann an, da\u00df er Waaren kauft? Der Gewinn. Wornach strebet er, wenn er ein gantzes Waaren-Lager auskaufet? Ein groser Gewinn. Er kaufet ja nicht deswegen, da\u00df er die Waaren m\u00fcssig auf einander liegen lasse: Nein; sondern er ist nun eben so gesch\u00e4ftig, ja noch sorgf\u00e4ltiger, noch arbeitsamer, da\u00df er seine Waaren zur bequemsten Zeit, auf die beste Weise, und mit dem gr\u00f6sten Vortheil wieder an den Mann bringe, damit sich sein Gewinn und Reichthum vermehre.<br \/>\nWenn Christen die Zeit auskaufen: So geschiehet solches nicht aus der Absicht, da\u00df sie solche zum M\u00fcssiggang anwenden. Es w\u00e4re auch ohnm\u00f6glich, da\u00df man die Zeit kaufen, und doch m\u00fcssig gehen k\u00f6nte. Denn die Zeit kaufen heiset so viel, als die Zeit sorgf\u00e4ltig zu rath halten, damit man seine Gesch\u00e4fte desto besser verrichten m\u00f6ge. M\u00fcssig gehen aber heiset so viel, als die Zeit verschleudern, nicht achten, oder, wie die Welt sagt, die Zeit vertreiben, gleichsam wegjagen, damit sie uns ja nichts nutzen m\u00f6ge. Ein wahrer Christ, der die Zeit auskaufet, und ein M\u00fcssigg\u00e4nger, sind also wiedersprechende Dinge.<br \/>\nWenn man nun fraget: Warum sind wahre Christen so sorgf\u00e4ltig auf ihre Zeit? so ist die Antwort: Sie wollen etwas damit gewinnen. Sie wenden ihre Zeit mit Fleis zu Gesch\u00e4ften an, und durch die Gesch\u00e4fte wollen sie grose Vortheile erlangen.&#8220;<\/p>\n<p><em>(<a href=\"http:\/\/www.bautz.de\/bbkl\/f\/fresenius_j_p.shtml\">Johann Philip Fresenius<\/a>: Auserlesene Heilige Reden \u00fcber die Epistolische Texte aller Sonnt\u00e4ge und hohen Festt\u00e4ge durchs gantze Jahr, Nebst einer Zugabe von Einigen Bus-Predigten. Mit n\u00fctzlichen Dispositionen und zweyen Registern an das Licht gestellet. Franckfurt und Leipzig, Bey Heinrich Ludwig Br\u00f6nner, 1755, S. 886-887)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zuge seiner Protestantismusstudien und religionssoziologischen Untersuchen schreibt Max Weber \u00fcber Genese und Kausalverh\u00e4ltnis westlicher Rationalit\u00e4t und Kapitalismus einerseits und protestantischer Religion andererseits: &#8222;[D]er asketische Protestantismus machte der Magie, der Au\u00dferweltlichkeit der Heilssuche und der intellektualistischen kontemplativen &#8222;Erleuchtung&#8220; als deren h\u00f6chster Form wirklich den Garaus, nur er schuf die religi\u00f6sen Motive, gerade in der Bem\u00fchung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,12],"tags":[25,13,22,34],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1030"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1030"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1030\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2040,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1030\/revisions\/2040"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}