{"id":2459,"date":"2013-06-28T02:59:38","date_gmt":"2013-06-28T00:59:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/?p=2459"},"modified":"2013-08-03T17:06:12","modified_gmt":"2013-08-03T15:06:12","slug":"ubertragungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/ubertragungen-2459.html","title":{"rendered":"\u00dcbertragungen"},"content":{"rendered":"<p>Wie lebhaft der Austausch neuer Waren, Ideen und Literaturen \u00fcber Grenzen hinweg sich schon im Europa der Voraufkl\u00e4rung vollzog, sind wir zuweilen geneigt zu vergessen angesichts umw\u00e4lzender und stetig sich vervielfachender G\u00fcter- und Arbeitsstr\u00f6me seit dem ausklingenden 19. Jahrhundert, worin Technologie- und Kulturtransfers zusammenfallen mit expliziten Verflechtungsph\u00e4nomenen aller f\u00fcnf Weltregionen. Hierzu z\u00e4hlen nicht zuletzt die beschleunigte institutionelle Herausbildung trans- und supranationaler K\u00f6rperschaften, manifest in einer Vielzahl global- und geopolitischer Akteure auf Mikro-, Meso- und Metaebene (NGOs, ASEAN, OECD, NATO&#8230;), wie auch noch auszutarierende, i.e. regulatorisch zu flankierende intra- und extraterritoriale Freihandels- und Finanzmarktmechanismen, denen <em>idealiter<\/em> die <a href=\"http:\/\/www.un.org\/en\/documents\/udhr\/\">universelle Verankerung internationaler Rechtsnormen<\/a> vorausgeht \u2013 oder zumindest standh\u00e4lt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/q_postfuhramt.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/q_postfuhramt-300x225.jpg\" alt=\"\" title=\"Altes Postfuhramt, Berlin\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2470\" style=\"margin-right:15px;\" srcset=\"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/q_postfuhramt-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/q_postfuhramt.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> Die gegenw\u00e4rtige Globalisierung ist Ausdruck eines fortw\u00e4hrenden, iterierenden <em><a href=\"http:\/\/www.mondialisations.org\/php\/public\/art.php?id=14433&amp;lan=DE\">Mondialisierungsprozesses<\/a><\/em>, welcher stets einhergeht mit radikalen Neuentw\u00fcrfen, ideologischen Verteilungsk\u00e4mpfen und kultureller Spiegelung von Versatzst\u00fccken des jeweils <em>&#8218;Fremden&#8216;<\/em>, i.e. Dynamisierungen und (Re-) Konstruktionen. Die Reisekompendien des 17. Jahrhunderts, zumal die <em>Elsevier-Republiken<\/em>, sind beredtes Zeugnis des damaligen wechselseitigen Interesses der europ\u00e4ischen Nachbarn aneinander, und wiewohl die Renaissance in ihrer Revitalisierung antiken Geistes sich neu positionierte im Verh\u00e4ltnis zum Dunklen Mittelalter und dessen feudalen Herrschaftsverh\u00e4ltnissen kirchlicher und f\u00fcrstlicher Autorit\u00e4ten, indem sie den <em><a href=\"http:\/\/www.hs-augsburg.de\/~harsch\/augustana.html\">gr\u00e4ko-lateinischen Kanon<\/a><\/em> reappropriierte (was sich partiell der Begegnung mit dem Islam und dessen Archivalien verdankte), so war die Fortschreibung und Umdeutung desselben im Zuge von Humanismus und voraufkl\u00e4rerischer Naturphilosophie, wie sie ein exaktes <em>Organon<\/em> respektive universelles Menschenbild ausbildeten, noch bedeutsamer.<\/p>\n<p>Im Feld der Literaturen hatte der Begriff des Nationalen noch nicht Fu\u00df gefa\u00dft, \u00fcber Sprachen und Traditionen hinweg befl\u00fcgelten sich Autoren zun\u00e4chst im gemeinsamen Lehridiom des Lateinischen (das seine Stellung als <em>lingua franca<\/em> viel fr\u00fcher schon eingeb\u00fc\u00dft hatte), sp\u00e4ter in aufwendiger und \u00fcberraschend aktueller \u00dcbersetzungs- und Editionspraxis. Ein Beispiel findet sich in Antoine Hamiltons Aneignung von Alexander Popes <em>&#8222;<a href=\"http:\/\/www.poetryfoundation.org\/learning\/essay\/237826\">Essay on Criticism<\/a>&#8222;<\/em>.<\/p>\n<p>1711 erst verfa\u00dft nach dreij\u00e4hriger \u00dcberarbeitung, fand das Lehrgedicht in einer Neu\u00fcbertragung schon um 1713 Eingang ins frankophone Werk des irischen Autors. Allerdings erblickte Hamiltons Bearbeitung das Licht der Welt erst nach seinem Tode, und gegen\u00fcber anderen zeitgen\u00f6ssischen Wiedergaben des Versessays ist es heutzutage in Vergessenheit geraten, obwohl es interessante Einblicke gestattet in die Herausforderungen, die die \u00dcbertragung einer poetischen Form in eine neue Sprache stellt (Reimschemata, lexische Ambiguit\u00e4t, <a href=\"http:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Calembour#Exemples_.5Br.C3.A9f..C2.A0n.C3.A9cessaire.5D\">homophones Wortspiel<\/a>), wie auch vorf\u00fchrt, auf welche Weise ein \u00dcbersetzer durch Variabilit\u00e4t und Mut dem eigentlich fremden Text eine eigene Handschrift verleiht \u2013 ihn sich <em>aneignet<\/em> \u2013 und in gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Freiheit selbst zum Autor wird nebst Interpret.<\/p>\n<p><em>Text:<\/em><br \/>\nAntoine Hamiltons <a href=\"http:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/q_hamilton_pope_v2.pdf\"><em>Extrait de L&#8217;essai sur la critique<\/em><\/a><br \/>\nsamt \u00dcbertragung ins Deutsche (Abschrift: 94 kB) (PDF-Dokument)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie lebhaft der Austausch neuer Waren, Ideen und Literaturen \u00fcber Grenzen hinweg sich schon im Europa der Voraufkl\u00e4rung vollzog, sind wir zuweilen geneigt zu vergessen angesichts umw\u00e4lzender und stetig sich vervielfachender G\u00fcter- und Arbeitsstr\u00f6me seit dem ausklingenden 19. 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