{"id":3269,"date":"2014-06-27T14:39:13","date_gmt":"2014-06-27T12:39:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/?p=3269"},"modified":"2014-06-27T15:24:32","modified_gmt":"2014-06-27T13:24:32","slug":"misgluckte-werbung-unerwidert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/misgluckte-werbung-unerwidert-3269.html","title":{"rendered":"Mi\u00dfgl\u00fcckte Werbung: Unerwidert"},"content":{"rendered":"<p>Mir sind Online-Partnerb\u00f6rsen suspekt, und dies nicht einzig aus pragmatischen Erw\u00e4gungen, die das (schiefe) Verh\u00e4ltnis zwischen den Geschlechtern wie auch Orientierungen betreffen oder die Motive der Betreiber (z.B. ebenjenes oftmals im Nebul\u00f6sen zu belassen, obschon es doch als Erfolgsparameter nicht zu vernachl\u00e4ssigen ist, wenn <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2011\/26\/Internet-Surfverhalten-Filter\">die zugrundegelegte algorithmische Verkupplung<\/a> schon nicht in Frage gestellt wird) wie auch die in der Konsequenz zumeist irreversiblen (soll hei\u00dfen: versenkten) Opportunit\u00e4tskosten, die der Nutzer, daheim vorm Rechner vom Leben und der zwischenmenschlichen <em>Begegnung darin<\/em> abgeheimst, auf die Suche nach einem Partner zeitlich (und finanziell) aufwendet, worin auch eine Gerechtigkeitsproblematik sich ausgestaltet, wenn der Betreiber durch einseitig (intransparent) kontrollierte Umgebungs- und Zugangsbedingungen den Nutzer im Dunklen l\u00e4\u00dft \u00fcber die rechnerische Unwahrscheinlichkeit, sein eingesetztes (monet\u00e4res) Kapital zumindest <a href=\"http:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Capital_social_(sociologie)\">sozial, wenn schon nicht symbolisch umm\u00fcnzen zu k\u00f6nnen<\/a>. (Hierbei sei davon abgesehen, da\u00df die Verzinsung einer Kapitalsorte in ein \u00c4quivalent einer anderen problematische Implikationen mit sich f\u00fchrt mit Blick auf die Verf\u00fcgung und Verf\u00fcgbarkeit \u00fcber das (menschliche) Individuum.)<\/p>\n<a href=\"http:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/q_singlelove.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/q_singlelove.jpg\" alt=\"Single love: Bedarf es einer Partnerb\u00f6rse f\u00fcr unerwiderte Liebe?\" title=\" Single love: Bedarf es einer Partnerb\u00f6rse f\u00fcr unerwiderte Liebe?\" width=\"500\" height=\"666\" class=\"size-full wp-image-3275\" srcset=\"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/q_singlelove.jpg 750w, https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/q_singlelove-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a>\n<p>Samt und sonders erhebt sich in mir aber Widerspruch ob der in solch kybernetisch organisierten Vermittlungsb\u00f6rsen als Intermedi\u00e4rende (d.h. der Unmittelbarkeit und inh\u00e4renten Unabw\u00e4gbarkeit der Begegnung <em>Entgegenstehende<\/em> und darein Zwischengeschaltete) waltenden Logik, welche in wirkm\u00e4chtiger Analogie <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2013\/25\/eva-illouz-liebe-tot\">das betriebswirtschaftliche in ein partnerschaftsoptimierendes Kalk\u00fcl \u00fcbersetzt<\/a>, sie beide als Homologien parallelf\u00fchrt und sich, genau besehen, als ein kryptonormativ verfa\u00dftes Dispositiv erweist, dessen, mit Foucault gesprochen, Regelsysteme und interne Prozeduren die Zuf\u00e4lligkeit von Ereignissen b\u00e4ndigen sollen und somit <a href=\"http:\/\/edge.org\/conversation\/the-age-of-the-informavore\">ein heteronomes, beherrschtes Menschenbild einschreiben<\/a> in die Partnerwahl. Dieselbe vollzieht sich parametrisch, wobei die dem Nutzer zugrundegelegten (expliziten) Kriterien gleicherma\u00dfen als (implizite) Steuerungsgr\u00f6\u00dfen und (implizite) Skalarvariablen einzig <em>regelgerecht<\/em> (algorithmisch) verfahren und so das partnerschaftliche Desiderat in ein externen A-priori-Setzungen gen\u00fcgsames Optimum abbilden.<\/p>\n<p>Eine <span alt=\"Kriterienkatalog\" title=\"Kriterienkatalog\">Kriteriologie<\/span> des Menschen wird aber immer das Gegen\u00fcber als Abbild des eigenen rekonstruieren und metrisieren, d.h. es in einem zweiten (narzi\u00dftischen) Schritt dem Nutzer <em>gen\u00fcgen<\/em> lassen (worin der Mensch als Gegen\u00fcber passiviert wird), und so den Blick verstellen auf das Kontingente, \u00dcberraschende, Transformative in der Begegnung mit einem anderen Menschen, der nicht doppelt domestiziert und reduziert auf den Zuruf von Datenbank und Suchendem h\u00f6rt, sondern diesen zu verst\u00f6ren, aufzur\u00fctteln, wachzurufen in eine neue Emanation von Selbst (und Selbstvergewisserung) in der Lage ist (<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2014\/03\/essay-neuanfang-konsum-gesellschaft\">anstelle einer Rekonfiguration<\/a>) und jener die Freiheit des Anderen, Widergesetzlichen, Selbstbestimmten entgegensetzt. Eine Lyrik der Partnerschaft in all ihrer Ungewi\u00dfheit und Konkretion, ist sie nicht dem Sirenenruf des <em>Partners nach meinem Bilde<\/em> vorzuziehen? Ist die Conditio humana nicht zuallererst eine Conditio imperfecta? Ist, in der Terminologie Heideggers, nicht der Mensch, der sich <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Heidegger#Technik_als_Gestell\">entmachtet im Gestell der Technik<\/a> findet, funktional optimiert, \u2013 herabgew\u00fcrdigt zum zu bestellenden Bestand? Und einzig, wenn in der Begegnung <em>nahe<\/em> anstatt durch raschen Zugriff verf\u00fcgbar, Mensch?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir sind Online-Partnerb\u00f6rsen suspekt, und dies nicht einzig aus pragmatischen Erw\u00e4gungen, die das (schiefe) Verh\u00e4ltnis zwischen den Geschlechtern wie auch Orientierungen betreffen oder die Motive der Betreiber (z.B. ebenjenes oftmals im Nebul\u00f6sen zu belassen, obschon es doch als Erfolgsparameter nicht zu vernachl\u00e4ssigen ist, wenn die zugrundegelegte algorithmische Verkupplung schon nicht in Frage gestellt wird) wie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[40,12],"tags":[25,27,13,56],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3269"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3269"}],"version-history":[{"count":37,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3269\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3309,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3269\/revisions\/3309"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3269"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3269"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3269"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}