{"id":759,"date":"2009-08-08T03:59:01","date_gmt":"2009-08-08T01:59:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/?p=759"},"modified":"2013-01-07T00:11:38","modified_gmt":"2013-01-06T22:11:38","slug":"odins-15-namen-oder-schwedische-geschichtsschreibung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/odins-15-namen-oder-schwedische-geschichtsschreibung-759.html","title":{"rendered":"Odins 15 Namen oder Schwedische Geschichtsschreibung"},"content":{"rendered":"<p>Von der <a href=\"http:\/\/www.sungaya.de\/schwarz\/germanen\/odinamen.htm\">Mytho<\/a><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/List_of_names_of_Odin\">logie<\/a> her leiten die V\u00f6lker ihre fr\u00fchste Geschichte ab und bis in die Neuzeit die (politische) Geschichtsschreibung Herkunft und Anspruch des Herrscherhauses.<a name=\"Audhumbla\" href=\"#Ginnungagap\"><sup>1<\/sup><\/a> Nicht anders verfuhr als Stammvater der schwedischen Historiographie der Link\u00f6pinger Geistliche und sp\u00e4tere Erzbischof von Uppsala, Johannes Magnus, als er in seinem 1554 postum ver\u00f6ffentlichten Hauptwerk <em>Historia de omnibus gothorum sueonumque regibus<\/em> in einem gro\u00dfen fiktionalen Wurf die Folge der K\u00f6nige von Schweden erz\u00e4hlte: mehr Konstruktion denn <a href=\"http:\/\/www.dieuniversitaet-online.at\/beitraege\/news\/geschichtsschreibung-zwischen-fakten-und-fiktionen\/10.html\">Rekonstruktion<\/a> der Vergangenheit; angelegt im sp\u00e4tantiken Text der Gotensaga und den mittelalterlichen Schriften des Saxo Grammaticus und hypothetisch \u00fcberformt; angereichert &#8211; im Gefolge des schwedischen Bruchs mit der Kalmarer Union anno 1523 &#8211; mit ostentativem Abgrenzungsbewu\u00dftsein allem D\u00e4nischen gegen\u00fcber, der im 16. Jh. rivalisierenden Macht in Skandinavien.<\/p>\n<p>Gut ein Jahrhundert sp\u00e4ter hatte sich Schwedens Vorherrschaft etabliert; und die Geschichtsschreibung Skandinaviens vollzog sich mit Notwendigkeit als jene der schwedischen Hegemonialmacht. Der Rechtsgelehrte und Historiker <a href=\"http:\/\/www.kirchenlexikon.de\/l\/loccenius_j.shtml\">Johannes<\/a> <a href=\"http:\/\/sv.wikipedia.org\/wiki\/Johannes_Loccenius\">Loccenius<\/a>, 1598 in Itzehoe in Holstein geboren,  Skytte-Professor an der Universit\u00e4t Uppsala, war bem\u00fcht, diesem Anliegen zu folgen, und verfa\u00dfte, in sp\u00e4thumanistischer Tradition an der antiken Historiographie orientiert, mit den <em>Antiquitatum sveo-gothicarum libri tres<\/em> (1647) die seinerzeit bedeutsamste Darstellung der fr\u00fchen Geschichte Skandinaviens. Von ihm 1654 wiederaufgelegt, verband er diese mit der Herausgabe der mehrheitlich Eric Olai zugeschriebenen <em>Rerum svecicarum historia<\/em>, welche ein Werk von bestechender Detailf\u00fclle und Zitierfreude und zugleich \u00fcberbordender mythologischer Reverenz und Referenz darstellt.<\/p>\n<p>Darin gerade gleicht Olai dem Johannes Magno, und seine <em>Historia<\/em> weist ebensolche quellenhistorisch problematische, partim unzuverl\u00e4ssige Qualit\u00e4ten auf, wenn sie mit dem Sagenk\u00f6nig Bj\u00f6rn III. ansetzt und \u00fcber den ersten gekr\u00f6nten Herrscher Schwedens <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Eric_X_of_Sweden\">Erik X.<\/a> hinaus bis zum Erben Gustavs I. Wasa eine Kontinuit\u00e4t suggeriert, welche mehr staatspolitischen Zwecken schuldig denn historischer Akkuratesse verpflichtet ist. Zumindest die sp\u00e4teren Abschnitte, \u00fcber Olais Tod 1486 hinaus, sind von Loccenius kenntnisreich verfa\u00dft &#8211; wieweit er ansonsten in den zugrundeliegenden Text Olais eingriff, ist strittig. Im folgenden werden die historio- und bibliographischen Anmerkungen und Erg\u00e4nzungen des Loccenii zum Text <a href=\"http:\/\/www.medievalists.net\/2008\/09\/25\/church-and-nation-the-discourse-on-authority-in-ericus-olais-chronica-regni-gothorum-c-1471\/\">Olais<\/a> bereitgestellt: die <em>Observationes historicae<\/em>, welche textkritisch verfahren und ein Schlaglicht werfen auf wissenschaftliche Erkenntnismethodik und Quellenlage Mitte des 17. Jh.<\/p>\n<div style=\"font-size: smaller;\">\n<a name=\"Ginnungagap\" href=\"#Audhumbla\"><sup>1<\/sup><\/a>: Vgl. hierzu die Genealogie des mythischen G\u00f6ttergeschlechts Odins im vorliegenden Text (S. 348ff.) und ihre Verquickung darin sowohl mit der Landeskunde (insbesondere Uller\u00e5kers bei <a href=\"http:\/\/www.uppsala.se\/\">Uppsala<\/a>) wie auch mit den (anf\u00e4nglich sagenhaften) Regenten Schwedens.\n<\/div>\n<p><em>Text<\/em>: Johannis Loccenii <em>Observationes historicae<\/em>:<br \/>\n<a href='http:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/08\/loccenius.pdf'>Abschrift (148 kB) (PDF-Dokument)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Mythologie her leiten die V\u00f6lker ihre fr\u00fchste Geschichte ab und bis in die Neuzeit die (politische) Geschichtsschreibung Herkunft und Anspruch des Herrscherhauses.1 Nicht anders verfuhr als Stammvater der schwedischen Historiographie der Link\u00f6pinger Geistliche und sp\u00e4tere Erzbischof von Uppsala, Johannes Magnus, als er in seinem 1554 postum ver\u00f6ffentlichten Hauptwerk Historia de omnibus gothorum sueonumque [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,41,12],"tags":[18,14],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/759"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=759"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/759\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2051,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/759\/revisions\/2051"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=759"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=759"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.quisquilia.net\/nova_blog\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=759"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}